Beliebte Irrtümer zu Buchungssystemen

„Das Buchungssystem programmieren wir einfach nach“ – oft gehört, leider immer und ausnahmslos gescheitert. Gerade auf der vergangenen ITB zweimal gehört – Tourismusverbände werden von Investoren und/oder IT-Unternehmen beschwatzt, das wäre doch viel zu teuer, dieses Hotelreservierungssystem einzukaufen, Lizenzen und Kommissionen für Ausfallsicherheit, Datenschutz, Traffic und Suport zu zahlen – man könne das alles doch selbst machen und das viiieeel billiger.

Hier zu Beginn ein Warnhinweis: es handelt sich um einen bissigen Artikel – die Landplage des „Nachprogrammierens“ und der „Gratisbuchungsssteme“ sind so haarsträubend realitätsfern, dass ich der Versuchung der Seitenhiebe nicht widerstehen konnte ;-).

Komplexität des touristischen Alltags unterschätzt
Interessanterweise wird das „Nachprogrammieren“ von Buchungssystemen tatsächlich immer wieder versucht. Die Anzahl der Male, in denen dies in den letzten Jahren erfolgreich gelungen ist, liegt allerdings bei einer negativen Null. Diejenigen, die hier oftmals so dringlich argumentieren, man könne das doch billiger selbst machen, unterschätzen in allen Fällen die Komplexität der touristischen Leistung und des touristischen Alltags, die abgebildet werden muss. Die vielen „wenns“ und „abers“, die Tourismus täglich produziert, müssen mit Buchungssystemen abgebildet werden. Und ganz wenige, wirklich erlesen wenige, können das auch – und die sind auch immer noch da.

Die Anzahl derjenigen, die es versuchten und scheiterten, ist mindestens um einen Faktor 50 höher als jene, die tatsächlich relevante Marktplayer sind und geblieben sind. Ganz wenige Unternehmen sind auf dem Markt – und das seit mehr als 10 Jahren – ungezählte sind gekommen und erfolglos wieder verschwunden.

Damit ist aber nur ein Grund beschrieben. Ein beliebter weiterer Irrtum ist dieser hier:

Die Software, die in ihrer ersten Version fehlerfrei ist, wurde noch nicht erfunden.
Es gibt sie auch nicht. Ein selbst programmiertes System wird daher dem (leider) einzigen Auftraggeber deshalb auch vergleichsweise um ein Vielfaches teurer kommen als eine Lizenzlösung, weil der Entwickler dem einen Auftraggeber auch alle Verbesserungen und Updates finanziell „umhängen“ muss – es kann ja nicht auf mehrere Kunden, im Falle von erfolgreichen Buchungssystemen auf viele Dutzend Tourismusverbände, aufgeteilt werden. Der Auftraggeber muss es allein tragen. Voraussichtlich ist dies teuer. Und das wird es bleiben.

Roll-Out Termine werden nicht eingehalten
Wenn Sie als Tourismusverband eine Buchungssoftware beauftragt haben, dann dürfen Sie sich bereits sehr viel Glück wünschen für den Roll-Out Termin. Speziell aus dem erstgenannten Grund – dass nämlich die Komplexität unterschätzt wird (Programmierer sind typischerweise nicht gleichzeitig Touristiker, was hier leider sehr stört). Fazit: Es ist mir in vielen Jahren Gutachtertätigkeit kein einziger Fall bekannt, zu dem ein Rollout eines neu programmierten Buchungssystems in der Zeit war und mit akzeptabler Funktionsweise an den Start ging.

Da gibt es dann noch … Hosting, Datenschutz, Ausfallsicherheit, Support …
Das ist auch bekanntlich sehr günstig, die Hostingleistung für Traffic, Datenschutz, Ausfallsicherheit, Support und allgemeinem Datenvolumen selbst zu machen, d.h. allein zu tragen. Versuchen Sie es – besser können Sie Geld nicht versenken.

Aber … da gibt es ja Hotelbuchungssysteme, die stellen mir die Buchungsmaske gratis hin …
Freilich, es gibt noch wirkliche Altruisten, die wirklich etwas zu verschenken haben. Die Buchungssysteme, um die es hier geht, nehmen Ihre Buchungen, geben Ihnen dafür ein paar Prozent Kommission – schreiben danach Ihre Kunden, die Sie bei ihnen eingebucht haben, direkt an und werben sie ab. Sie bekommen übrigens keine Kundendaten und keine Statistik – das wäre ja noch schöner. Sie haben das Tool ja gratis bekommen, also richten Sie sich darauf ein, dass man Ihnen konsequent jene Kunden, die Sie akquiriert haben, sukzessive abnehmen wird, bis Ihr Umsatz garantiert gegen Null strebt. Nebenbei setzt diese Hotelplattform Ihren Hoteliers auch noch die Daumenschrauben an, und erhöht permanent einseitig die Kommissionen. Das macht prima Stimmung. Also keine Rede mehr von gratis. Letztlich: sehr teuer – Sie haben Ihr Geschäft gerade überschrieben. Schade.

Es geht auch anders
Mit einem professionellen Buchungsssytem hätten Sie selbst Zugriff auf Ihre Buchungsdaten, könnten die Zielgruppen segmentieren und selbst betreuen – und Ihren Umsatz dramatisch steigern. Der erste Kunde, den wir mit einer konsequenten CRM Strategie hatten, berichtete uns auf der ITB in Berlin Anfang März 2012: „Wir haben jetzt im ersten Jahr +45% Umsatz bei unseren Buchungen. Wir suchen noch nach den Ursachen. Aber wir haben einen Verdacht 😉 …“. Wir lieben unsere Kunden, wirklich wahr …

Eine erfolgreiche Zeit wünscht Ihnen

Ihre

Isabella Mader

Vorstand
NetHotels AG

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2 Kommentare zu “Beliebte Irrtümer zu Buchungssystemen

  1. Ich komm zwar aus einer anderen Branche – Planung für Wohnräume – aber auch hier gibt es sehr ähnliche „Großmäuler“. Bei der Umsetzung auf ein neues Zeichenprogramm wurde sorgfältig verglichen und alle Anbieter standen da wie Pfaue und Weltmeister mit allen unglaublichen neuen inovativen und unglaublich günstigen Möglichkeiten.
    Sofortiges Versprechen was alles wie super und schnell und komplex alles in die Planungssoftware oder in die Webshop Technik eingebaut werden kann. Nach einigen Monaten stellt sich ganz ernüchternd heraus, dass vieles grundsätzlich ja gar nicht gehen kann und manches ja ganz anders verstanden wurde von den Softwareanbietern…….
    Wir haben jetzt wieder unser Ohren und Bleistifte gespitzt und hören unseren Kunden zu und zeichnen mit den Kunden….

    Und die könnens gar nicht glauben, dass es sowas noch gibt. Eine andere art der Kundenbindung. Da bindet sich der Kunde an den Verkäufer…

  2. … das dürfte eine allgemeine Krankheit sein … und kaum jemand überlegt sich, dass man dann allein alle Updates zahlen wird, den Support und die garantiert nötige Weiterentwicklung – die sich im anderen Fall hunderte Kunden (oder mehr) teilen … danke für die Unterstützung … wenn wir Möbel brauchen, wissen wir jetzt wenigstens auch, wer das professionelle Planen noch kann 😉

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